Joachim Stutschewsky und die Neue Jüdische Schule

Die Neue Jüdische Schule entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Russland im Bestreben, einen eigenen jüdischen Stil in der Kunstmusik zu schaffen. Sie war Teil einer jüdischen kulturellen Renaissance, die auch die Verbreitung der zionistischen Ideen förderte. Das Fundament für diesen Stil fanden die jungen Komponisten – wichtigste Vertreter waren u.a. Joseph Achron, Alexander Krejn, Joel Engel, Solomon Rosowsky oder Michail Gnesin – in der jüdischen Folklore und in der liturgischen Musik des Judentums. Im Unterschied zu westeuropäischen jüdischen Komponisten behielten diese Künstler ihre Bindung an die jüdische Gemeinschaft, die in Russland noch überwiegend in althergebrachten Traditionen lebte, welche auch für die Musiker Nährboden und Inspirationsquelle bildeten. In den 1920er-Jahren verbreitete sich die Neue Jüdische Schule in ganz Europa. Einer der wichtigsten Mittler wurde dabei der Cellist und Komponist Joachim Stutschewsky, der Wien um 1930 zum internationalen Zentrum für Jüdische Musik machte. Die Neue Jüdische Schule ist durchaus vergleichbar mit anderen nationalen Strömungen, die seit Mitte des 19.Jahrhunderts die europäische Musik prägten. Im Gegensatz zu den Nationalmusiken, die sich zumeist frei entwickeln und so im kulturellen Bewusstsein verwurzeln konnten, wurde die Entwicklung der Neuen Jüdischen Schule aber schon bald von Stalinismus und Nationalsozialismus in Europa gewaltsam beendet.

Kompositionen

Tags: Trio, Verfemte Musik, Duo, 20. Jahrhundert, Stutschewsky, Exil, Neue Jüdische Schule

Kategorie: Trio