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Der Komponist Hans Winterberg 26.10.2019

Eine verschlungene Biografie zwischen den Zeiten und Nationalitäten. Von Michael Haas.

Was wissen wir über Hans Winterberg? Nicht viel, möchte man behaupten, wobei wir immer mehr aus einer mit Absicht verschleierten Vergangenheit herausfinden konnten. Wir wissen, dass Winterberg 1901 in einer jüdischen Familie in Prag geboren wurde. Die Familie war schon seit 300 Jahren in Prag ansässig und hatte u.a. einen ehemaligen Oberrabbiner aufzuweisen. Geboren wurde Winterberg als Österreicher, aber mit der Entstehung der Tschechoslowakei 1918, wurde er übergangslos zu einem tschechischen Staatsbürger. Diesen Status hat er bei der Volkszählung 1930 bestätigt, auch nannte er sich selbst damals Hanuš Winterberg. Als Kind lernte er Klavier bei Therèse Wallerstein, die später von den Nazis ermordet wurde. Er studierte in Prag an der Deutschen Akademie für Musik bei Fidelio Finke und Alexander Zemlinsky. 1939/40 besuchte er zusammen mit Gideon Klein den Kompositionsunterricht von Alois Hába am Prager Staatskonservatorium. Eine Zeit lang arbeitete er als Korrepetitor in Brno und Gablonz.

Hanuš Winterberg in den 1920ern

1930 heiratete er die als früheres Wunderkind bekannt gewordene Pianistin und Komponistin Maria Maschat. Sie war Deutsch-Böhmin und nicht jüdisch; 1935 kam ihre Tochter Ruth zur Welt. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht wurden viele von Winterbergs Verwandten ins KZ deportiert, seine Mutter Olga wurde 1942 in Maly Trostinez ermordet. Winterbergs Ehe wurde 1944 nach dem Reichsehegesetzt aufgelöst, im Jänner 1945 wurde er nach Theresienstadt deportiert. Im Mai 1945 kam die Befreiung, bald darauf wurden wiederum seine Frau und Tochter auf Grund der Beneš-Dekrete in Viehwagen nach Deutschland deportiert. Winterberg bekam erst 1947 einen tschechischen Pass, der es ihm ermöglichte zu seiner Frau nach Bayern zu reisen, um seine Manuskripte wieder in Besitz zu nehmen, welche er vor seiner Deportation nach Theresienstadt seiner Gattin sowie Freunden im Ausland anvertraut hatte. 1948 kam es zum kommunistischen Staatsstreich in der Tschechoslowakei, und Winterberg stand vor einem Dilemma: Blieb er tschechischer Staatsbürger, würde man ihn in die Tschechoslowakei zurückführen; um in Deutschland bleiben zu können, musste er sich zur Sudetendeutschen Volksgruppe bekennen. Der Sudetendeutsche Dirigent Fritz Rieger und andere Musiker setzten sich für Hans Winterberg ein, führten seine Werke auf und spielten sie beim BR ein, wo eine beachtliche Zahl von Aufnahmen entstand.

Passfoto 1947

Manche Musiker, die Winterberg noch aus Prag kannten, unterstellten ihm er würde sich nur aus Opportunismus als Deutsch-Böhme tarnen. Die mögliche Entlarvung als Tscheche, der sich in die Sudetendeutsche Gemeinde eingeschlichen hatte, bereitete Winterberg Sorgen.

Die Ehe mit Maria Maschat hielt in Deutschland nicht lange, und Winterberg heiratete noch drei weitere Male. Die vierte Ehefrau, Louise Maria geb. Pfeifer, stammte aus dem Sudetenland. Winterberg adoptierte auch ihren damals 22-jährigen Sohn Christoph, dessen leiblicher Vater ein ehemaliger SS Mann war. Nach dem Tod von Hans Winterberg und Louise Maria im Jahr 1991 verkaufte Christoph den Nachlass seines Adoptivvaters für 6000 DM an das Sudetendeutsche Musikinstitut. 2002 wurde eine Vereinbarung geschlossen, die eine Sperre auf den Nachlass legte und sämtliche Auskünfte über die Familie bis Anfang 2031 untersagte. Es wurde auch vereinbart, dass die jüdische Herkunft von Winterberg nie bekannt gemacht werden dürfe. Erst 2031, nach Aufhebung der Sperre, dürfe über Winterberg gesprochen werden, jedoch nur als „sudetendeutscher Komponist“.

Nur durch den Einsatz des Sohnes von Ruth Winterberg (der Tochter aus Winterbergs erster Ehe), Peter Kreitmeir, und die Veröffentlichung der Vereinbarung mit dem Sudetendeutschen Musikinstitut auf dem Blog „Forbidden Music“ von Michael Haas (vermittelt durch Randy Schönberg) konnte die Sperre aufgehoben und die Rechte an den Enkel zurückgegeben werden. Der Nachlass von Winterberg wird nun am exil.arte-Zentrum an der Wiener Musikuniversität betreut.

Jetzt, da die Musik Winterbergs wieder zugänglich ist, bemerkt man, dass sie ihren Ursprung vor allem in der nach Janáček entstandenen tschechischen Schule hat. Einige Mitglieder der Sudetendeutschen Gemeinschaft haben Winterberg immer wieder als „Tschechen“ verdächtigt. Wie man aus seiner Musik heute hört, hatten sie allem Anschein nach Recht.

Michael Haas, exil.arte Zentrum, mdw

„life was so easy“ von Alexander Wagendristel 10.09.2019

Uraufführung des neuesten Trios des österreichischen Komponisten am 10. Oktober 2019.

Alexander Wagendristel schreibt nicht einfach nur gute Musik, seine Werke beziehen auch gerne und oft durchaus vehement Stellung zu aktuellen Themen und Ereignissen. In „life was so easy“, seinem neuen Trio für Klarinette, Cello und Klavier, geht es explizit um Flucht, Vertreibung und Exil.

Wagendristel zitiert dazu Schönbergs Klavierkonzert op.42: „life was so easy“, „suddenly hatred broke out“, „a grave situation was created“ und „but life goes on“ sind die Satzüberschriften in Schönbergs eigenen Skizzen zu diesem Konzert. Auch das musikalische Material des Konzerts wird weiter gesponnen, schließlich ist sogar seine Grundreihe an einer Stelle gegen Ende des Trios deutlich hörbar.

Wagendristel geht es aber nicht nur um das Erinnern der historischen Katastrophe, die der Nationalsozialismus für Europa bedeutet, sondern vor allem auch um den Bezug zur Gegenwart: Damals mussten Menschen wie Schönberg aus Europa emigrieren, um der Vernichtung zu entgehen. Heute flüchten Menschen aus dem gleichen Grund nach Europa. Wie gehen wir damit um und wo stehen wir da heute? Wiederholt sich die Geschichte?

Wir freuen uns jedenfalls schon sehr, dieses ungemein spannende und komplexe Werk am 10. Oktober im Mödlinger Schönberg-Haus zur Uraufführung zu bringen. Außerdem zu hören bei diesem Konzert sind Kompositionen von Erich Zeisl, Robert Starer, Ernst Toch und Joachim Stutschewsky.

Kommt und hört!

24.06.2019 in Wieden: Frauen! 24.04.2019

100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich.

Mit der Ausrufung der Republik Österreich am 12. November 1918 erhielten auch die Frauen in Österreich das allgemeine und gleiche Wahlrecht, das sie bei den Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung im Februar 1919 erstmals ausüben konnten.

Dieses Jubiläum ist für uns ein schöner Anlass, diesmal ein Programm ausschließlich mit Komponistinnen zu spielen. Lange Zeit hatten Komponistinnen mit denselben Vorurteilen zu kämpfen wie alle Frauen, die den traditionellen Rollenklischees nicht entsprechen konnten und/oder wollten. Milde bis mitleidig belächelt, subtil unterdrückt und notfalls auch vehement bekämpft, gelang es nur wenigen Bekanntheit und Anerkennung zu erlangen. Einiges hat sich im Laufe der Jahre gebessert, doch nicht zuletzt die aktuelle #metoo-Debatte zeigt, dass wir von wirklicher Gleichstellung auch heute noch weit entfernt sind.

Wir haben für unser Programm Komponistinnen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart und aus unterschiedlichen Ländern und mit unterschiedlichem „Background“ ausgewählt, die allen Vorurteilen und Widerständen zum Trotz ihren Weg gegangen sind und v.a. eines gemeinsam haben: Sie schrieben und schreiben unheimlich gute Musik!

Frohe Weihnachten… 21.12.2018

…und ein glückliches Neues Jahr!

Wir freuen uns schon auf ein ereignisreiches Jahr 2019!

1918 – 1938 – 2018 14.06.2018

Dem 100. Geburtstag der Republik Österreich widmen wir uns in mehreren Konzerten.

Vor 100 Jahren, am 12. November 1918, wurde aus der Katastrophe des Ersten Weltkriegs heraus die Republik Österreich gegründet. Im instabilen und spannungsgeladenen Umfeld der 1920er-Jahre und mit zahlreichen inneren Konflikten belastet war ihr allerdings kein langes Leben gegönnt. 1934 folgten Bürgerkrieg und Austrofaschismus, 1938 dann der „Anschluss“ an das nationalsozialistische Deutschland und wenig später der Zweite Weltkrieg. Erst mit der Neugründung nach 1945 konsolidierte sich die Republik zu einer stabilen Demokratie. Politischer Konsens, gesellschaftlicher Ausgleich und wirtschaftlicher Aufschwung machten die Zweite Republik zur Erfolgsgeschichte, die schließlich in der Mitgliedschaft in der Europäischen Union mündete.

In unseren Konzerten spielen wir Kompositionen aus den Geburtsjahren der Ersten Republik, aber auch Werke der aktuellen Komponistengeneration. Auch widmen wir uns jenen Komponisten, die 1938 vertrieben wurden und auch nach 1945 vergessen wurden.

Damals wie heute fasziniert eine enorme künstlerische Bandbreite, die in den ausgewählten Werken nur angedeutet werden kann. Während allerdings die künstlerische Vielfalt vor 100 Jahren ein Ergebnis der allgemeinen Unsicherheit und von ebenso vielen Zweifeln wie Hoffnungen war, ist sie in der Gegenwart vielmehr das Resultat einer offenen und global vernetzten Gesellschaft. Dass diese Offenheit und Freiheit, wie die Geschichte unserer Republik zeigt, keinesfalls selbstverständlich sind, sollten wir jedenfalls nicht vergessen.

Weihnachtswünsche 22.12.2017

Alle Jahre wieder…

Nach einem schönen und erfolgreichen Jahr bedanken wir uns ganz herzlich bei unserem Publikum, den Veranstaltern und allen, die uns unterstützt haben!
Das nächste Jahr verspricht noch intensiver und reich an spannenden Konzerten zu werden! Wir freuen uns schon!

Frohe Weihnachten und die besten Wünsche für 2018!

Josef Labor – Pianist, Organist, Komponist im Wien des Fin de siécle 12.11.2017

Ein Trio des blinden und heute fast vergesssenen Komponisten kann nun wiederentdeckt werden.

„15. November 1917“ steht als Vollendungsdatum unter Josef Labors Trio in e-Moll für Klavier, Klarinette und Cello. Genau 100 Jahre und eine Woche später erklingt dieses Werk bei unserem Konzert am 22. November im Haus Hofmannsthal in Wien.

Josef Labor (1842 – 1924), als Kind erblindet in Folge einer Infektion mit den Blattern, war hoch angesehener Pianist, Organist und Pädagoge im Wien der Jahrhundertwende. Zu seinen Schülern zählten Arnold Schönberg, Julius Bittner, Alma Mahler und Paul Wittgenstein. Für Paul Wittgenstein, der als Soldat im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren hatte, aber dennoch seine Pianistenkarriere fortsetzen wollte, komponierte Labor auch besagtes Trio. Der Klavierpart ist also nur für die linke Hand geschrieben, eines der ersten Werk dieser Art, dem aber noch viele weitere – etwa von Ravel, Hindemith, Britten, Korngold und Franz Schmidt – folgen sollten.

Josef Labor ist heute weitgehend vergessen, selbst sein Denkmal gegenüber vom Wiener Konzerthaus ist den wenigsten bekannt und wird kaum wahrgenommen.

22. November 2017, 19:30 Uhr

Konzert im Haus Hofmannsthal

Reisnerstraße 37, 1030 Wien

Tel.: (01) 714 85 33, Fax.: DW 9
office@haus-hofmannsthal.at

Alexander Zemlinsky (1871 – 1942) 30.09.2017

Zwei Konzerte mit Kammermusik des großen Komponisten.

Vor 75 Jahren, am 15. März 1942, starb Alexander Zemlinsky, einer der bedeutendsten Komponisten seiner Zeit, verarmt und fast vergessen im amerikanischen Exil. In Erinnerung blieb er bestenfalls als Lehrer, Freund und Schwager von Arnold Schönberg, seine Werke hingegen wurden lange Zeit kaum aufgeführt. Wie viele Musiker seiner Generation geriet er gleich zweifach in die Mühlen des Vergessens: von den Nazis war er als Jude diffamiert und vertrieben worden, der Nachkriegs-Avantgarde galt er als konservativ und wurde aus diesem Grund ignoriert.

Erst in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts begann man, seine Bedeutung wieder zu entdecken und zu würdigen. Inzwischen ist der Rang seiner Kompositionen unbestritten, und seine Opern und Orchesterwerke stehen auf den Spielplänen der großen Opernhäuser und Orchester. TRIS hat Zemlinsky seit langem fix im Repertoire, im November gibt es nun Gelegenheit, in zwei Konzerten die gesamte Kammermusik Zemlinskys für Klarinette, Violoncello und Klavier zu hören.

Am 6. November bei unserem alljährlichen Pogrom-Gedenkkonzert auf der Wieden in Wien ist das Thema diesmal „Zemlinsky und das jüdische Wien“. Dabei werden die Fantasiestücke op.9 nach Gedichten von Richard Dehmel in der Fassung für Klarinette und Klavier erklingen, sowie die Sonate für Cello und Klavier in a-Moll. Diese Sonate galt lange als verschollen, man wusste lediglich von der Uraufführung am 23.4.1894 im Wiener Tonkünstlerverein, die Zemlinsky selbst am Klavier zusammen mit dem Cellisten Friedrich Buxbaum spielte. Buxbaum (1869 – 1948) war mit Zemlinsky seit den gemeinsamen Jahren am Wiener Konservatorium befreundet und wirkte bei etlichen (Ur)Aufführungen seiner Werke mit. Er war Mitglied des berühmten Rosé-Quartetts, später des Wiener Streichquartetts, und bis zu seiner Zwangspensionierung und Emigration 1938 Solocellist der Wiener Philharmoniker. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Buxbaum im Exil in London.
Im Nachlass Buxbaums fand sich auch das Autograph der Cellosonate. Der Enkel Martin Buxbaum und der Publizist Fritz Spiegel versuchten lange Zeit vergeblich, einen Verlag für dieses Werk zu gewinnen. Erst 2006 wurde es mit Hilfe des Zemlinsky Fonds in Wien möglich, die Sonate endlich zu drucken und somit einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Entstanden ist die Cellosonate in den ersten Monaten des Jahres 1894, zur gleichen Zeit arbeitete Zemlinsky auch an seiner Oper „Sarema“. Während die Oper stark in der Tradition Wagners steht, zeigt sich Zemlinsky in der Sonate – wie oft in seiner Kammermusik – „wienerischer“, von Brahms und Bruckner geprägt. Deutlich ist auch der Einfluss des nur 11 Jahre älteren Mahler spürbar. Zemlinsky gelingt es aber schon in diesem frühen Werk, sich von allen Vorbildern lösend zu einer eigenständigen, überaus farbigen Sprache zu finden.
Außerdem am Programm dieses Konzerts: „Klezmer’s Wedding Music“ von Joachim Stutschewsky und das Trio op.40 von Carl Frühling.

Das Konzert am 22. November im Haus Hofmannsthal in Wien steht unter dem Titel „Wien im Fin de Siècle“. Hier spielen wir Zemlinskys Drei Stücke für Violoncello und Klavier – ebenfalls ein Frühwerk aus dem Jahr 1891 und Friedrich Buxbaum gewidmet – und das berühmte Trio op.3 in d-Moll. Zweifellos orientiert sich Zemlinsky hier an Brahms’ Trio op.114, besonders der erste Satz erinnert in seinem dunkel schwelgerischen, manchmal ins Rauschhafte übersteigerten Gestus an das Vorbild. Der 2. Satz wiederum ist mit seiner „Fantasie“ des Mittelteiles Reminiszenz an Brahms’ Klarinettenquintett op.115. Dem Werk war rascher und großer Erfolg beschieden – nicht zuletzt Dank intensiver Förderung durch Brahms, der Zemlinsky an seinen Verleger Simrock empfahl.
Genau 100 Jahre alt und eine kleine musikhistorische Sensation ist das Trio in e-Moll von Josef Labor, das von TRIS wiederentdeckt wurde und das Programm abrundet. Labor – einer der angesehensten Komponisten und Organisten seiner Zeit –  hat dieses Trio 1917 für seinen Schüler Paul Wittgenstein komponiert. Wittgenstein stand am Beginn einer viel versprechenden Laufbahn als Pianist, als der Erste Weltkrieg ausbrach und er einrücken musste. Er wurde an der russischen Front verwundet und verlor seinen rechten Arm. Dennoch entschloss er sich, seine Pianistenkarriere fortzusetzen. Der Klavierpart von Labors Trio ist also bereits für die linke Hand komponiert und bildet somit den Auftakt zu einer Reihe von Klavierwerken dieser Art, die Paul Wittgenstein u.a. von Hindemith, Ravel, Saint-Saëns, Prokofjew oder Britten gewidmet wurden!

Wann&Wo:
6. November 2017, 19:00 Uhr
Festsaal des Amtshauses Wieden
Favoritenstraße 18, 1040 Wien

22. November 2017, 19:30 Uhr
Haus Hofmannsthal
Reisnerstraße 37, 1030 Wien

Tradition ist die Weitergabe des Feuers 10.09.2017

Konzert im Schönberghaus in Mödling

Selten war der Begriff der Schule in der Musikgeschichte treffender, als im Fall von Schönberg und seinem Kreis. Dabei erwächst Zugehörigkeit nicht allein aus direkter Schülerschaft, sondern aus Identifikation mit kompositorischen Idealen, die an diesem Abend gespielten Komponisten verbindet. Wellesz, Schmid, Spinner und Skalkottas zeigen aber auch, wie unterschiedlich die eingeschlagenen Wege dabei aber dennoch sein können.

Das gilt auch für Beethoven – die Wiener Klassik ist der Quell, aus dem die Lehre der Wiener Schule schöpft. Das »Gassenhauer-Trio« erklingt als Referenz an Mödling, wo Beethoven unweit des Schönberg-Hauses die Sommermonate 1818/19 verbrachte.

Das Konzert findet am 28. September um 19:30 im Schönberghaus (Bernhardgasse 6, 2340 Mödling) statt.

Kommt und hört!

„Wien einst und jetzt“ im Juni bei den Bezirksfestwochen 20.05.2017

Mozart, Beethoven und Brahms, dazu Hans Gál und Wolfram Wagner – Wiener Musik von der Klassik bis zur Gegenwart spielen wir bei unserem nächsten Konzert in Wien.

Mit Mozarts Trio in B-Dur, KV 502, 1786 kurz nach der Uraufführung des „Figaro“ und in unmittelbarer Nachbarschaft zur „Prager“ Symphonie entstanden, erinnern wir an den Geburtstag der „Kaiserin“ Maria Theresia, der sich 2017 zum 300. Mal jährt.

Auch Beethovens Variationen für Violoncello und Klavier haben Mozart zum Thema: Über „Bei Männern, welche Liebe fühlen“, das Duett von Pamina und Papageno aus der „Zauberflöte“, hat Beethoven sieben wunderbare, virtuose, humorvolle und tiefgründige Variationen geschrieben, die zu den populärsten Werken der Celloliteratur zählen.

Dass Brahms, Norddeutscher und Protestant, eine ganze Serie von Walzern komponierte, wunderte nicht nur den Kritikerpapst Eduard Hanslick. Er gab aber gleich selbst die Antwort: Es musste wohl an Wien liegen und an seiner einzigartigen Atmosphäre, der sich keiner entziehen kann.

Ganz besonders verbunden mit Wien, dem Wiener Wald und den Heurigen war auch Hans Gál, der seine Variationen op.9 über eine Heurigenmelodie komponierte. Sehr inspiriert, witzig und doppelbödig sind diese Variationen, in denen auch der liebe Augustin seinen Auftritt hat.

Mit Wolfram Wagner, einem der erfolgreichsten zeitgenössischen Komponisten, erreichen wir schließlich die Gegenwart. Sein Trio aus dem Jahr 2011 ist dem Ensemble TRIS gewidmet und wurde von uns in London uraufgeführt. Bei diesem Konzert ist das Trio erstmals in Österreich zu hören.

What’s next? 18.02.2017

In Kürze geht’s wieder los: 2017 haben wir einiges vor! Hier gibt’s eine kleine Vorschau auf die nächsten Konzerte.

31.03.2017, 19:30 Uhr, Konzert im BIZ Purkersdorf

In unserer Programmreihe „Europa entdecken“ spielen wir diesmal Kammermusik der französischen Romantik vom 19. Jahrhundert bis zum Impressionismus. Zu hören sind Werke von Adolphe Blanc, Claude Debussy, Nadia Boulanger und Jacques Ibert.

26.06.2017, 19:00 Uhr, Konzert bei den Wiedner Bezirksfestwochen

Bei den Bezirksfestwochen spielen wir „Wien einst und jetzt“, ein Programm mit Werken von Mozart, Beethoven, Brahms, Hans Gál und Wolfram Wagner.

28.09.2017, 19:30 Uhr, Konzert im Schönberghaus in Mödling

„Vorbilder und Schüler der Zweiten Wiener Schule“ ist der Titel dieses Konzertes, bei dem wir Werke von Erich Schmid, Egon Wellesz, Leopold Spinner, Nikos Skalkottas und Ludwig van Beethoven präsentieren. Kommt und hört!

Neue Programmreihe „Europa entdecken“ 24.01.2017

Mit unserer neuen Programmreihe „Europa entdecken“ begeben wir uns auf Entdeckungsreise durch den so vielfältigen „alten“ Kontinent.

Erste Stationen sind dabei Frankreich und Großbritannien. „Französische Romantik“ bringt Musik vom 19. Jahrhundert bis zum Impressionismus von Adolphe Blanc, Claude Debussy, Nadia Boulanger und Vincent d’Indy. „Die Briten kommen!“ entführt auf einen Streifzug durch die ungemein vielseitige Musikszene des Vereinigten Königreichs. Neben einem arrivierten Zeitgenossen wie Marc AnthonyTurnage spielen wir u.a. Cipriani Potter, John Ireland, Donald Francis Tovey, Graham Waterhouse oder Percy Sherwood.

Die Reihe „Europa entdecken“ werden wir mit weiteren Ländern und Regionen –  „Balkan“, „Dänemark – Der standhafte Zinnsoldat“, „Skandinavien – der hohe Norden“ etc. – fortsetzen.

Versäumen Sie nicht unser nächstes Konzert: Am 31. März 2017 spielen wir in Purkersdorf„Europa entdecken – Französische Romantik“!

TRISmas 2016 21.12.2016

Kein Rückblick, kein Ausblick, keine Bilanz.

Nur so viel in aller Kürze:

TRIS wünschen frohe Festtageund ein erfülltes, friedliches Jahr 2017!

Wir bedanken uns bei unserem treuen Publikum und freuen uns auf viele spannende Konzerte im Neuen Jahr!

Die neue jüdische Schule 10.10.2016

Jüdische Musik zwischen St. Petersburg und Wien: Um 1900 begannen jüdische Komponisten in Russland sich für die traditionelle jüdische Musik zu interessieren und daraus eine eigene Nationalmusik zu entwickeln.

Die Neue Jüdische Schule entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Russland im Bestreben, einen eigenen jüdischen Stil in der Kunstmusik zu schaffen. Sie war Teil einer jüdischen kulturellen Renaissance, die auch die Verbreitung der zionistischen Ideen förderte. Das Fundament für diesen Stil fanden die jungen Komponisten – wichtigste Vertreter waren u.a. Joseph Achron, Alexander Krejn, Solomon Rosowsky oder Michail Gnesin – in der jüdischen Folklore und in der liturgischen Musik des Judentums. Im Unterschied zu westeuropäischen jüdischen Komponisten behielten diese Künstler ihre Bindung an die jüdische Gemeinschaft, die in Russland noch überwiegend in althergebrachten Traditionen lebte, welche auch für die Musiker Nährboden und Inspirationsquelle bildeten.

Die Neue Jüdische Schule entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Russland im Bestreben, einen eigenen jüdischen Stil in der Kunstmusik zu schaffen. Sie war Teil einer jüdischen kulturellen Renaissance, die auch die Verbreitung der zionistischen Ideen förderte. Das Fundament für diesen Stil fanden die jungen Komponisten – wichtigste Vertreter waren u.a. Joseph Achron, Alexander Krejn, Solomon Rosowsky oder Michail Gnesin – in der jüdischen Folklore und in der liturgischen Musik des Judentums. Im Unterschied zu westeuropäischen jüdischen Komponisten behielten diese Künstler ihre Bindung an die jüdische Gemeinschaft, die in Russland noch überwiegend in althergebrachten Traditionen lebte, welche auch für die Musiker Nährboden und Inspirationsquelle bildeten.

(Joseph Achron)

Die Neue Jüdische Schule ist durchaus vergleichbar mit anderen nationalen Strömungen, die seit Mitte des 19.Jahrhunderts die europäische Musik prägten. Im Gegensatz zu den Nationalmusiken, die sich zumeist frei entwickeln und so im kulturellen Bewusstsein verwurzeln konnten, wurde die Ent-wicklung der Neuen Jüdischen Schule aber schon 30 Jahre später von Stalinismus und Nationalsozialismus in Europa gewaltsam beendet.

(Joachim Stutschewsky)

Im November widmen wir unser alljährliches Pogrom-Gedenkkonzert diesmal anlässlich des 125. Geburtstags von Joachim Stutschewsky der Neuen Jüdischen Schule und spielen Werka von Joseph Achron, Joel Engel, Paul Ben-Haim und Joachim Stutschewsky.

7. November 2017, 19:00 Uhr
Festsaal des Amtshauses Wieden,
Favoritenstraße 18, 1040 Wien

America, America! 16.05.2016

Eine Entdeckungsreise durch die zeitgenössische Musik der USA.

Amerika, USA, Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Sehnsuchtsort und Fluchtpunkt für Menschen aus allen Kontinenten. Schier unbegrenzt sind auch die musikalischen Ausdrucksformen, die hier blühen und gedeihen, unabhängig von Schulen, Traditionen oder Dogmen europäischen Zuschnitts.

Lange Zeit hierzulande nicht ganz ernst genommen ist vieles von dem Reichtum US-amerikanischer Musik – abseits von Jazz und Pop – weitgehend unbekannt. Bernstein, Copeland, Cage – what else? Dabei gibt es so vieles zu entdecken: In unserem Konzert im Juni bei den Wiener Bezirksfestwochen spielen wir unter anderem Musik von Robert Muczinsky, John Biggs und Mary Jeanne van Appledorn – allesamt anerkannte Komponisten, die aber in Europa kaum aufgeführt werden. Ihre Musik ist auch ein wunderbares Beispiel für den ungezwungenen und offenen Umgang mit traditionellen und zeitgenössischen Kompositionstechniken. Tonales Komponieren war in den USA nie derart verpönt wie im Nachkriegs-Europa, die Zugehörigkeit zu irgendeiner Avantgarde oder Schule ist selten Thema und schon gar kein Qualitätskriterium. So ist amerikanischen Komponisten eine Vielfalt von Ausdrucksweisen selbstverständlich, wie sie in Europa lange Zeit kaum möglich war.

Robert Starer ist einer von vielen, die im Europa der 1930er-Jahre in die Emigration gezwungen wurden. Er wurde 1924 in Wien geboren, wo er auch seine erste musikalische Ausbildung erhielt, und emigrierte 1938 nach Palästina. Nach dem Weltkrieg ging er für ein Post-Graduate-Studium nach New York und nahm schließlich 1957 die Amerikanische Staatsbürgerschaft an. Er unterrichtet an der Julliard School und am Brooklyn College und wurde vielfach ausgezeichnet. Seine Musik arbeitet mit „modernen“ Kompositionstechniken einschließlich der Dodekaphonie, ist aber nie hermetisch und verschließt sich auch nicht der Melodie.

Gernot Wolfgang schließlich ist ein Beispiel für jene Musiker, für die Amerika mit seiner riesigen Musik- und Filmindustrie ein Land der neuen, „unbegrenzten“ Möglichkeiten wurde. Geboren in Bad Gastein lebt er nun in Los Angeles und schreibt erfolgreich und genre-übergreifend sowohl für Jazz-Musiker als auch für „klassische“ Ensembles.

Save the date: America, America!
8. Juni 2016, 19 Uhr
Festsaal des Amtshauses Wieden
Favoritenstraße 18, 1040 Wien

Konzert zum 125. Geburtstag von Joachim Stutschewsky 30.03.2016

Die Moderne und die Neue Jüdische Schule

Der 7. April ist Joachim Stutschewskys 125. Geburtstag. Wir feiern diesen Tag mit einem Konzert im Schönberg-Haus in Mödling, wo Arnold Schönberg von 1918 bis 1925 wohnte.
Die Beziehung zwischen Stutschewsky und Schönberg war sehr eng: Stutschewsky war als Mitglied des Wiener Streichquartetts (später: Kolisch-Quartett) einer der ersten und besten Interpreten der Zweiten Wiener Schule; Schönberg wiederum schätzte den Cellisten und auch den Komponisten Stutschewsky ganz besonders.
Das Schönberg-Haus ist deshalb ein sehr stimmiger und stimmungsvoller Ort für dieses Konzert, bei dem wir neben Stutschewskys eigenen Kompositionen auch Werke von Webern und Zemlinsky spielen, sowie eine „Elegie“ der 1954 in Israel geborenen Komponistin Ella Milch-Sheriff.

Donnerstag, 7. April 2016, 19:30 Uhr
Schönberg-Haus Mödling
Bernhardgasse 6, 2340 Mödling
Karten und Infos+431-712 18 88,
office@schoenberg.at
Tickets: 14€/erm. 7€

Joachim Stutschewsky, 1891 – 1982 16.03.2016

Cellist, Komponist, Publizist und Theoretiker.

2016 feiern wir den 125. Geburtstag von Joachim Stutschewsky, der nicht nur einer der besten Cellisten aller Zeiten war, sondern auch ein wichtiger Wegbereiter sowohl der Moderne als auch der Neuen Jüdischen Schule.

Stutschewsky wurde in Romny (Russland, heute Ukraine) in eine Familie von Klezmer-Musikern geboren. Er lernte erst Violine und wechselte mit elf Jahren zum Cello. Schon kurz darauf spielte er im Symphonieorchester von Nikolajew und gab Solokonzerte.
1909 ging er nach Leipzig, um bei Julius Klengel zu studieren. Ab 1912, nach Abschluss des Studiums, begann er eine intensive Konzerttätigkeit als Solist und Kammermusiker, u.a. als Mitglied des Jenaer Strichquartetts. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs übersiedelte er nach Zürich, wo er im Umfeld zionistischer Kreise mit der Neuen Jüdischen Schule in Kontakt kam und erste Konzerte mit jüdischer Musik organisierte.

Ab 1924 lebte Stutschewsky in Wien, wo er sich als Mitglied des Wiener Streichquartetts (später: Kolisch-Quartett) vorrangig der Moderne und der Zweiten Wiener Schule widmete. Er verfasste aber auch eine Celloschule, die weltweit Anerkennung fand, und schrieb zahlreiche Kompositionen und Arrangements für sein Instrument. Daneben setzte er sich weiterhin für die Neue Jüdische Schule ein und wurde zu einem ihrer wichtigsten Komponisten und Theoretiker. Als genialer Netzwerker machte er Wien um 1930 zum internationalen Zentrum der Jüdischen Musik.

Der Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 zwang Stutschewsky in die Emigration. Er flüchtete über die Schweiz nach Palästina, wo er als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten maßgeblich den Aufbau des Musik- und Konzertlebens organisierte.
Ab den 1950er-Jahren widmete er sich fast ausschließlich dem Komponieren und dem Sammeln von Jüdischer Musik.

TRIS bietet mehrere Programme an, die das Werk Stutschewskys und seine Verbindungen zur Zweiten Wiener Schule und zur Neuen Jüdischen Schule in Erinnerung rufen.

Robert Kahn zum 150. Geburtstag 19.10.2015

Konzert im Gedenken an die Novemberpogrome 1938 heuer im Zeichen von Robert Kahn.

Am 9. November 2015 spielen wir wieder unser bereits traditionelles Gedenkkonzert an die Novemberpogrome des Jahres 1938. Heuer widmen wir das Programm dem 150. Geburtstag von Robert Kahn.

Kahn war einer der bedeutendsten deutschen Spätromantiker. Als Pianist und Kammermusiker spielte er mit den führenden Interpreten seiner Zeit, von Joseph Joachim und Richard Mühlfeld bis Adolf Busch. Als Komponist schuf er v.a. Kammermusik und Lieder.

Er unterrichtete an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin und war Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Zu seinen Schülern zählten u.a. der Pianist Wilhelm Kempff sowie die Komponisten Günter Raphael und Nikos Skalkottas. Auch Arthur Rubinstein besuchte seine Musiktheoriekurse.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste Kahn als Jude seine Ämter zurücklegen und emigrierte schließlich 1938 nach England, wo er den Rest seines Lebens verbrachte.

Kahn erlitt das gleiche Schicksal wie viele seiner Generation: von den Nazis wurde er verfolgt und vertrieben, der Nachkriegs-Avantgarde war er zu konservativ. So geriet er nahezu völlig in Vergessenheit. Erst in den letzten Jahren wurden seine Werke wieder entdeckt und aufgeführt.

Wir spielen neben seiner Serenade und seinem Trio op.45 auch Musik seiner Schüler Günter Raphael und Nikos Skalkottas sowie von seinem großen Vorbild Johannes Brahms.

Kommt und hört!

Termin
Montag, 9. November 2015, 19:00 Uhr

Veranstaltungsort
Festsaal im Amtshaus Wieden
Favoritenstraße 18; 1040 Wien

Hörproben 07.10.2015

Hörproben aus unserem Repertoire gibt es jetzt auch auf Soundcloud!

TRIS ist auf Soundcloud unter folgendem Link zu finden:

Viel Spaß beim Hören!

Tris – die ersten 10 Jahre 05.10.2015

Am 4. Oktober 2005 war TRIS erstmals live zu hören.

Beethovens „Gassenhauer“-Trio, die „Gestural Variations“ von Graham Waterhouse, Trio-Miniaturen von Paul Juon und das Trio op.114 von Johannes Brahms standen am Programm unseres ersten öffentlichen Konzerts am 4. Oktober 2005 in Wien.

Seither hat sich viel getan: Konzerte in Österreich, Deutschland, Italien, Kroatien, Spanien, Polen, Ungarn, England, in der Slowakei, der Türkei, im Iran und in Jordanien mit einem Repertoire, das auf über 100 Trios und mindestens ebenso viele Duos und Sonaten angewachsen ist. Auch einige Tris gewidmete Uraufführungen waren dabei.

10 Jahre sind eine gewaltige Zeitspanne für ein Kammermusik-Ensemble. Feiern und große Worte sparen wir uns trotzdem, wir arbeiten lieber an unseren nächsten Projekten. Was kommt: Naturgemäß noch mehr Konzerte. Eine neue Homepage. Und vielleicht doch mal eine CD.

Die nächsten Aufrtitte sind jedenfalls am 9. November und am 2. Dezember 2015 in Wien.

Kommt und hört!

Frohe Ostern 04.10.2015

Einen schönen Start in den Frühling wünscht TRIS!